Herz-Jesu-Feste

Wenn der Herrgott durch den Ort getragen wird ...

Vom „heiligen Land Tirol“ war früher oft die Rede.
Die Traditionen werden heute noch gefeiert.

 

 

In kaum einem anderen Landstrich gibt es einen so stark verwurzelten Volksglauben, der auf altem Brauchtum basiert. Fast in jeder Wohnung steht eine Hauskrippe, kirchliche Feste werden noch mit traditionellen Ritualen gefeiert, Kruzifixe gehören zum festen Inventar.

 

Ausdruck höchster Volksfrömmigkeit sind die Prozessionen, die es noch in jedem Ort gibt: Zu Fronleichnam (zweiter Donnerstag nach Pfingsten), am Herz-Jesu-Sonntag (dritter Sonntag nach Pfingsten) und an den Gedenktagen ener Heiligen, denen eine Ortskirche geweiht ist (Maria Himmelfahrt/ 15. August, Peter und Paul/29. Juni usw.). So ein „Umgang“, wie die Prozessionen landläufig auch genannt werden, ist ein religiöses Spektakel, das man sich – unter Beachtung gehörigen Respekts, es ist ja ein religiöser Akt – nicht entgehen lassen sollte. Der Tag beginnt mit Böllerschüssen, alle Glocken werden geläutet, die Traditionsvereine (Schützenkompanien, Musikkapellen) marschieren auf. Nach einem Festgottesdienst zieht das Kirchenvolk durch den Ort, in dem vier Altäre verteilt sind, an denen Evangelien gelesen werden.

 

Der Ortspriester trägt, von der Sonne durch einen Traghimmel geschützt, das Allerheiligste. Die Teilnehmer haben sich festlich heraus geputzt (oft in der jeweiligen Landestracht), außerdem werden Heiligenstatuen mitgetragen. Die Salven der Schützen, das Spiel der Musikkapellen, die Psalmen der Chorgemeinschaften, die liturgischen Gesänge der Geistlichen, das Geläut der Kirchenglocken – es ist eine besondere Klangwolke, die an solchen Tagen himmelwärts.
 

 

Tiroler verschrieben sich dem Herzen Jesu

 

Die Herz-Jesu-Prozessionen sind übrigens direkt mit der Tiroler Landesgeschichte verflochten. Auch wenn es kurios klingt, aber als „Vater“ der Herz-Jesu- Prozessionen ist der große Napoleon anzuführen. Na ja, um es klarzustellen: Die Prozessionen wurden nicht vom korsischen Franzosenkaiser eingeführt – aber die Tiroler Landstände haben sich am 1. Juni 1796 im Angesicht der drohenden Kriegsgefahr dem Herzen Jesu verschrieben.

 

Das damalige Gelöbnis kann im weitesten Sinn als Beginn des Freiheitskampfes gegen die Fremdherrschaft eingestuft werden. Jedenfalls hat der Tiroler Freiheitsheld Andreas Hofer das Gelöbnis im Mai 1809 vor der Bergiselschlacht erneuert. Und hat prompt gewonnen. Dass die dritte Bergiselschlacht zu einem Fiasko wurde, ist eine andere Geschichte …

 

Wie einleitend erwähnt, werden die Herz-Jesu- Prozessionen überall am dritten Sonntag nach Pfingsten durchgeführt. Überall? Nein, nicht überall. Am Weerberg hält man am ursprünglichen Termin fest: am Herz-Jesu-Freitag, also dem vorangehenden Freitag. Und: Die Weerberger Herz-Jesu-Prozession ist ein spezielles Spiegelbild starken Traditionsbewusstseins.

 

Neben den örtlichen Vereinen beteiligen sich seit 1972 Fahnenabordnungen aller Kompanien des Schützenbataillons Schwaz. Auch die bayerischen Gebirgsschützen, bei denen Papst Benedikt XVI. Ehrenmitglied ist, kommen seit vielen Jahren mit einer stattlichen Abordnung auf den Weerberg. Außerdem hat es sich eingebürgert, dass der Prozession höchste kirchliche und weltliche Würdenträger beiwohnen.

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